Kolumbien

Inhalt:

  • Amazonas-Dschungel-Tour
  • Städtetrips Bogota – Medellin – Cartagena
  • Karibisches Flair auf San Andres
  • Unterwasserwelten

27.06.18 – 18.07.2018

Ich habe Kolumbien überlebt!

Ja, das ist möglich. Meiner Ansicht nach ist die Welt weniger schlimm und gefährlich als uns vermittelt wird…

Schaut man sich die Netflix-Serie „Narcos“ an, reist man doch etwas mit einem mulmigen Gefühl in die einstige Kokain-Hochburg.

Von all dem habe ich jedoch in der gesamten Zeit in Kolumbien nichts mitbekommen.

Im Gegenteil, die Menschen waren äußerst hilfreich, zuvorkommend und immer bemüht uns ein sicheres Gefühl zu vermitteln.

Natürlich gibt es einige Ecken die man meiden sollte, aber in welchen Ländern gibt es so etwas nicht?

Noch nie habe ich so ein hohes Aufgebot an Polizei und Militär in den Städten gesehen um ein sicheres Leben auf den Straßen zu ermöglichen.

Vielleicht hatten wir einfach nur Glück… oder man hält sich an gewisse Regeln und bekommt somit auch keine Probleme.

Wie sagte meine Tauchlehrerin Sabrina in Thailand: „Für das Tauchen gibt es einige wichtige Regeln, die wichtigste Regel fürs Leben: „sei nicht dumm!“.

Wenn ich nachts betrunken von einer Bar nach Hause torkele und mit meinem iPhone X den Weg zurück ins Hostel suche, brauche ich mich nicht wundern wenn diese Situation erkannt wird und einige dunkle Gestalten mich um meine Wertsachen erleichtern.

Genug der Reiseweisheiten – wir sind ja hier um Spaß zu haben und vielleicht etwas Inspiration für die nächste Reise zu finden =)

Für Kolumbien stand wieder eine gemeinsame Erkundung mit Andrea auf dem Programm.

Von Lima ging es für mich direkt nach Bogota wo wir uns am Flughafen verabredet hatten.

 

Bogotá:

Bogota bei Nacht.

Die ersten Tage verbrachten wir in Bogota mit einer Free-Walking-Tour und eigenständiger Erkundung bis rauf auf den Aussichtspunkt Mount Monserrate, bevor die Weiterreise in den Amazonas-Regenwald nach Leticia auf dem Plan stand.

oben: Ajaccio de Bogota – Huhn mit dicker Kartoffelsuppe / unten: café con queso – Kaffee mit Käse.

 

Leticia: Amazonas-Tour

Mit dem Flieger direkt in den Dschungel – unendlich scheinen die Bäume bis zum Horizont die Erde zu bedecken.

Anflug auf Leticia: Amazonas mit Dschungel so weit das Auge reicht.

Leticia ist der Ausgangspunkt in Kolumbien für Expeditionen in den Amazonas. Aber auch ein 5minütiger Fußmarsch durch die Straßen zur brasilianischen Grenze ist möglich. Natürlich ließen wir uns diese Gelegenheit nicht nehmen um eine kurze Überquerung nach Brasilien durchzuführen. Leider gab es dafür kein Stempel in den Reisepass =)

Drei-Länder-Eck: Peru / Brasilien / Kolumbien

Bonito und seine Crew.

Für unsere persönliche Expedition hatten wir uns eine 3-Tages-Tour im Hostel gebucht. Gemeinsam mit einem britischen Pärchen und einem Begleiter des Hostels Sebastian ging es ca. 1,5h mit dem lokalen Flußbus den Amazonas aufwärts.

Amazonas Express.

Guter Spot zum Angeln, zugegeben nicht ganz ungefährlich =)

Nahrungskette: Mensch isst Raubtier.

Dort hieß es dann aussteigen in einem kleinen Dorf am Rande des Flußes. Hier lernten wir unseren Guide Alfonso und die Dorfgemeinschaft kennen. Man führte uns durch das kleine spartanische Dorf und erklärte uns die Fauna & Flora.

Rucksäcke gepackt und rauf aufs Boot… weiter in einem Seitenarm des Amazonas. Ca. 1h schlängelten wir uns durch den Fluss.  Allerlei bunter Schmetterlinge und Vögel waren zu sehen, Geräusche die ich noch nie zuvor gehört hatte.

Wir fanden eine passable Stelle um anzulegen, die Expedition ging von Bord ans verwilderte Ufer. Von hier aus stapften wir mit Gummistiefeln eine Stunde quer durch den Dschungel Richtung Nachtcamp.

Mit einer Machete bewaffnet führte uns der Guide über kleine Pfade zu unserem Platz. Hier bauten wir dann gemeinsam unsere Hängematten mit Plastikplanen-Dach und Moskitonetz auf, das war auch dringend nötig. Trotz langer Kleidung und Antiinsekt 5000 fanden die Plagegeister doch immer wieder schmackhafte Stellen. Zählen der Stiche? Unmöglich.

Froschprinz?

Für Abendessen mitten im Dschungel war ebenfalls gesorgt, leider waren die deponierten Töpfe oder Behälter abhandengekommen – so mussten wir uns mit einem Grill Marke Eigenbau selbst versorgen. Leider war das Abendessen eher auf Kochtöpfe ausgelegt, so hieß es improvisieren. Mit der Machete die Zwiebeln und Tomaten zerstückelt und daraus einen Salat „gezaubert“.

Aufbau des Nachtlagers im Dschungel.

Mittlerweile war es bereits dunkel geworden im Regenwald, die Geräuschkulisse nahm zu und man hatte das Gefühl um einen herum bewegt sich ständig etwas. Im Schein des Feuers konnte man unzählige Krabbeltiere entdecken.

Ich machte mich auf um etwas um unser Camp herum mit der Taschenlampe das Gestrüpp zu erkunden, etwas Adrenalin im Gepäck versteht sich.

Entspannter tierischer Freund: Ella auf Kuschelkurs.

Nach dem Abendessen war eine Nachtwanderung mit Alfonso durch den Dschungel geplant. Nur mit Taschenlampen bewaffnet streiften wir durch das Unterholz.

Völlig verrückt, ich bin kein Freund von Spinnen und war deswegen dauerhaft etwas angespannt. Es wurde zwar besser über die Dauer meiner Reise, eine Tarantel auf der Schulter hätte bei mir wohl jedoch eine Schockstarre hervorgerufen.

Der Mond war zu sehen und tauchte den Regenwald in ein unwirkliches Licht… die Geräusche um einen herum waren fremd aber irgendwie auch spannend und seltsamerweise auch beruhigend. Völlig abschalten konnte ich bei dieser Wanderung, kein schlechtes Gefühl.

Ab und an leuchteten wir uns gegenseitig mit den Taschenlampen ab, um festzustellen ob sich irgendwelches Getier auf unsere Körper verirrt hat.

Insekten nur erkenntlich nur durch Taschenlampe.

Ich leuchtete mit der Taschenlampe auf meine Brust und sah einen kleinen gelben Skorpion dort sitzen, um das Tier nicht zu erschrecken oder aggressiv zu machen schnippte ich es kurz mit dem Finger von seinem neuen zu Hause.

Ich sprach unseren Guide auf den Skorpion an:

 

Ich: „Ich wusste gar nicht das es hier im Dschungel auch Skorpione gibt?!“

Er: „Ja, hat es auch. Welche Farbe hatte er denn?“

Ich: „Ein etwas knalliges Gelb…“

Er: „Ja, die sind ungemütlich und hochgiftig…“

 

Na dann =)

Weiter bahnten wir uns den Weg durch den dunklen Dschungel bis zu einem Erdhügel. Der Guide rammte seine Machete in die Erde und stocherte mit einem Zweig in einem Loch. Heraus gesellte sich eine Tarantel in der Größe eines Esstellers. Da wurde mir ganz warm ums Herz…

Tarantel auf Beutezug.

Alfonso unser Guide war früher Affenjäger und war zuständig um die Pfade zwischen den Dörfern in Schuss zu halten, sein ganzes Leben verbrachte er im Dschungel. Mittlerweile arbeitet er für die Regierung und ist auf die helle Seite der Macht gewechselt. Nun zählt er Affen anstatt die Zahlen zu minimieren… vom Saulus zum Paulus heißt das wohl bei uns.

Amazonas Fisch nach Art des Hauses: definitiv in meinen absoluten Top5!

Ungefähr zwei Stunden wateten wir durch das Dickicht, mal auf festen geraden Untergrund, dann wieder an steilen Aufstiegen bis hin zu morastigem Grund. Es war für jeden Geschmack etwas dabei.

Farbenfrohe Schmetterlinge.

Seitenarm im Amazonas.

Warten auf das Wassertaxi.

Sonnenuntergang mit pinken Delfinen.

Ganz schön große Sträucher: massiver Baum mit Schaukel.

Brückenkonstruktion mal anders.

 

Zurück im Lager legten wir uns dann nach einer Katzenwäsche zur Ruhe. Anfänglich waren die Geräusche im Dschungel noch etwas gewöhnungsbedürftig, führten dann aber nach und nach zu einer inneren Ruhe. Wie ein Orchester klang das Zirpen und Knacken aus den umliegenden Bäumen und Gebüschen. Hätte mir nie träumen lassen in einer solchen Umgebung so gut zu schlafen.

Am nächsten Morgen hieß es einpacken und zurück ins Dorf um uns auf die nächsten Aktivitäten vorzubereiten. Diesmal traditionelles Herstellen von Armbändern durch eine Webtechnik.

Rudimentäre Häuser im Dorf am Amazonas.

Später weiter zu einem Reservoir für den Schutz und Erhalt der Population aller möglichen Affenarten. Was für ein Erlebnis, kaum im Areal angekommen konnte man die Affen bereits in den Bäumen erspähen und hören. Die Angestellten fütterten die possierlichen Tierchen mit Bananen. Natürlich sind diese Affen zutraulicher als völlig wilde Affen, aber sie sind nicht in Gehege gesperrt und können sich frei im gesamten Gebiet bewegen.

Gegen Abend wurden wir mit dem Boot raus auf den Hauptfluss gefahren um die berühmten pinken Delfine zu erspähen.

Klassenzimmer im Amazonas, bei uns streitet man sich über Kruzifixe…

Volles Programm am heutigen Tag. Weiter mit dem Boot über die Grenze am Drei-Länder-Eck nach Peru. Dort ging es zu einem kleinen Dorf direkt in das einzige Restaurant mit Bar. Sehr gastfreundliche bekamen wir traditionelles Essen und ein paar Bierchen serviert.

Hungrige pelzige Freunde.

Im Anschluss an das Abendmahl erneut mit dem Boot ab auf den Amazonas auf Cayman suche in den Mangrovenwäldern – ganz schön schwierig bei kompletter Dunkelheit. Die ein oder anderen echsenartigen Augenpaare konnten wir dann doch vernehmen. Irgendwie gruselig.

Bier findet sich auf jeder Speisekarte: Aguila – Prädikat würzig.

Die Heimfahrt in unser Dorf gestaltete sich als Geduldsprobe, der Amazonas ist gigantisch und selbst mit den kleinen wendigen Booten dauerte die Heimfahrt dann aus dem Seitenarm und quer über den Fluss eine knappe Stunde. QUER!

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ein weiteres Highlight. Heute Piranha fischen auf einer Insel inmitten des Flusses. Wieder mit Guide durch das Dickicht. Leider sind diese Inseln bei hohem Wasserstand überflutet, so sind jedes Jahr die Wege zu den Wasserstellen unterschiedlich. Unser Guide musste mehrfach improvisieren. Kleine Durchflüsse bzw. stehendes Gewässer musste mit eigen erbauten Behelfsbrücken überquert werden, bevor wir dann endlich an einer größeren See ankamen.

Dort wurden dann die optimalen Angelplätze gesucht – tatsächlich waren die kleinen gierigen Biester sehr „bissfreudig“. So dauerte es nicht lange, dass wir unser Mittagessen abgesichert hatten.

Zurück in unserem Dorf gab es dann frisch gegrillter Piranha. Für Fisch doch relativ zäh, aber geschmacklich gar nicht so übel.

Nach den ereignisreichen Tagen hieß es Abschied nehmen um mit dem Flusstaxi zurück nach Leticia zu gelangen.

Sonnenuntergang: letzter Abend am Amazonas.

Definitiv eines meiner größten Abenteuer auf der Reise…

Von Leticia aus starteten wir nach Medellín, die einstige Hochburg von Escobars Machenschaften.

 

Medellín:

Medellín selbst liegt in einem Kessel und sieht bereits bei Anfahrt vom Flughafen sehr beeindruckend aus. Die Stadt besteht gefühlt zu 70% aus den mit roten Ziegeln und bunten Häusern erbauten Kommunen. Die berühmteste ist wohl Comuna 13, in der auch Escobar sein Unwesen trieb. Leider hatten wir hier nur einen relativ kurzen Aufenthalt und besuchten die Altstadt. In die Comuna 13 durften wir aus Sicherheitsgründen nicht mehr, es war schon gegen 16:30Uhr. Nach Sonnenuntergang sollte man sich dort trotz Bewachung und Schutzprogramm nicht mehr aufhalten.

Medellín aus der Gondel.

Leben und Kunst: Streetart in Medellín.

Tagesausflug Medellín: Guatape.

Da geht es rauf: Guatape ist einen Tagestripp wert.

 

karibische Insel San Andrés:

Next Stop: die karibische Insel San Andres. Ein Paradies für Taucher in Kolumbien findet man auf dieser Ecke in der karibischen See. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Von allen meinen bisherigen Taucherfahrungen würde ich diese Ecke auf Platz 1 setzen. Es lag nicht nur an den schönen Korallen, sondern einfach auch an der Vielzahl von Meeresbewohnern. Rochen, Mantas und diverser anderer Tiere sah man hier komprimiert. Auch dank der guten Sicht und einfachen Strömungsverhältnissen auch für Tauchanfänger geeignet.

Karibisches Flair San Andrés: mit dem Boot zum Tauchspot.

Leider gab es hier einen Zwischenfall mit meiner GoPro. Ein Riss in der Unterwasserhülle wurde von mir übersehen… so konnte ich auf 22m nur noch zusehen wie sie kurz aufblinkte bevor ihr Lebenslicht erlosch.

Unterwasserwelten: Muräne auf der Suche nach Nahrung.

Möge sie in Frieden ruhen…

Cartagena:

Weiter von San Andres mit dem Flieger nach Cartagena. Laut vieler Berichte und Reportagen eine der schönsten wenn nicht sogar die schönste Stadt in Südamerika. Das kann ich auch nur bestätigen. Die Altstadt ist sehr gut erhalten und der Stadtkern bunt geschmückt und immer sehr umtriebig.

Buntes Cartagena.

Cartagena selbst wurde zu Fuß erkundet, hier gab es immer wieder neues zu entdecken. Seien es die kleinen Shops, oder Ateliers von Künstlern, diverse Bars und Kneipen oder das wundervolle Café del Mar. Eingelassen in die Stadtmauern und Blick aufs Meer gibt es hier nicht mehr viel Spielraum nach oben.

Straßenbild in Cartagena: Kolumbianische Farben wohin das Auge reicht.

In Cartagena buchten wir eine Tagestour nach Isla del Rosario um in einer Bucht in das glühende bzw. fluoreszierende Plankton einzutauchen. Aufgrund von besonderen natürlichen Umständen wird hier das Plankton in eine von Mangroven umgebene Bucht geschwemmt. Dort gibt es auch keine natürlichen Feinde, somit herrscht dort eine Übersättigung an Sauerstoff und den kleinen Organismen.

Die Früchtefrauen preisen ihre Waren in bunten Gewändern an.

Es wirkt wie aus einer anderen Welt, paddelt man mit den Armen und den Beinen fängt es um einen herum an zu leuchten. Lässt man das Wasser über seine Arme oder Körper laufen sieht es aus als würde sich die Milchstraße ihren Weg über die Haut bahnen – einfach atemberaubend!

 

Taganga:

Per Bus ging es dann auch auf die letzte Etappe auf unserer Reise nach Taganga weiter im Norden. Taganga ist ein verträumtes Fischerdörfchen, welches mittlerweile auch viele Touristen für sich entdeckt haben.

Die Bucht von Taganga.

Sonnenuntergang mit toller Kulisse in Taganga.

Hier gibt es einige tollen Tauchsports und einen wunderschönen Nationalpark. Beides ließen wir uns natürlich nicht nehmen.

Feuerfisch: eigentlich nicht heimisch in diesen Gewässern. Verbreitet sich ohne natürliche Feinde wie eine Plage.

Raus mit dem Boot und ab unter Wasser, mittlerweile fühle ich mich wie ein Fisch. Leider ist das Wasser trotz karibischer See in dieser Region nicht gerade warm. Deswegen auch runter mit Neopren und zwischenzeitlichem Zähneklappern. Der etwas rabiatere Wellengang wirkte sich dann auch positiv auf meine Anfälligkeit für die Seekrankheit aus. So blieb mir in der Taucherpause nichts anderes übrig als gerade Richtung Horizont zu starren und mir den Spott und Hohn anzuhören =)

Glücksmomente unter Wasser: Meeresschildkröte Ahoi!

Mit dem Bus in den Nationalpark für eine Tageswanderung und ca. 2h zurück mit dem Schnellboot über äußerst unebenes Gewässer. Ein paar blaue Flecken am Sitzfleisch inklusive.

Küste im Nationalpark Tayrona.

…unglaublich wie schnell drei Woche vergehen können.

Kolumbien habe ich definitiv ins Herz geschlossen und möchte auf meiner nächsten Südamerikatour einen Abstecher in unerforschtere Regionen machen.

Hasta pronto Columbia!

Christian

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.